Erscheinungen und Entwicklungen des Rechtsextremismus

Quelle:
Zentrum Demokratische Kultur

Es ist besonders der Rechtsextremismus, der heute die Demokratie in Deutschland herausfordert. Der gegenwärtige Rechtextremismus ist aber kein einheitlicher Block von Organisationen und Gruppen, die schnell geortet und bekämpft werden können. Er erscheint in vielen Facetten und begegnet einem in zahlreichen gesellschaftlichen Bereichen und sozialen Prozessen. Auch die Träger rechtsextremer Ideologie sind nicht immer auf den ersten Blick als solche zu erkennen.
Wer sich gegen Rechtsextremismus und rechtsextreme Dominanzen wehren
möchte, muß sich zuerst über dessen Ideologie, Strategien und Erscheinungs-
formen informieren. Ziel dieser Rubrik ist es, einen ersten Einblick in die Ideen
und Symbolwelten des Rechtsextremismus zu geben. Sie soll helfen, Alltagserschei nungen besser verstehen und das komplexe Phänomen Rechtsextremismus besser verorten und zuordnen zu können.
Diese Rubrik richtet sich nicht an Rechtsextremismus-Experten, sondern an jene, die sich bisher nicht stark mit der Thematik auseinandergesetzt haben. Die Texte erheben deshalb keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern haben Einführungscharakter. An einigen Stellen werden wir auf weiterführende Literatur verweisen, in der das jeweilige Themenfeld bei Bedarf vertieft erarbeitet werden kann.

1. DEMOKRATIE UND IHRE GEFÄHRDUNGEN

Im Jahr elf der deutschen Einheit sind erhebliche Verschleißerscheinungen der repräsentativen Demokratie im Bewußtsein weiter Teile der Bevölkerung festzustellen. Die Förderung von demokratischem Handeln und Bürgerengagement sind angezeigt, denn antidemokratische Diskurse im politischen Spektrum verbreitern und intensivieren sich. Dabei stehen die Ethnisierung der Betrachtung gesellschaftlicher Verhältnisse sowie Absagen an die Menschenrechte im Mittelpunkt. Besonders soziale Konflikte werden oft über die "Ausländerfrage" ausgetragen und mit ihr verquickt. In Ostdeutschland formiert sich als Massenstimmung in verschiedenen Phasen neben der sozial-nostalgischen eine völkisch-nostalgische Kritik an Demokratie, nicht selten eingebunden in eine Kapitalismuskritik. Es kommt zur Ausprägung einer Kontrastgesellschaft, die der demokratischen Bindung nicht bedarf. Gewalt gegen sog. "Undeutsche" und "Ausländer" sind fester Bestandteil dessen. Es besteht ein Netzwerk von heterogen rechtsextrem-orientierten Gruppierungen, die auf kommunaler Ebene als kulturelle, politische und geistige Institution fest etabliert und vielfach in der Öffentlichkeit dominant sind. Die rechtsextremen, völkischen und antidemokratischen Potentiale nehmen offensichtlich in Deutschland weiter zu und es ist zentral, diese zu benennen, zu analysieren um ihnen wirkungsvoll entgegentreten zu können.


2. GRUNDBEGRIFFE:

2a) Rechtsextremismus
Von vielen Autoren in Deutschland wird zu Recht der Mangel einer allgemeingültigen Definition von Rechtsextremismus beklagt. Vielmehr herrscht eine wahre Begriffskonfusion und völlige Unübersichtlichkeit der Begriffe, die noch keinen Konsens bei der Bestimmung der Rechtsextremismus-Terminologie zulassen. Bei genauer Betrachtung stellt der Rechtsextremismus einen facettenreichen, für viele Beobachter unübersichtlichen Sektor der politischen Landschaft Deutschlands dar.
In der Praxis von Polizei und Verfassungsschutzbehörden gelten Bestrebungen als extremistisch, die gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung, den Bestand und die Sicherheit des Bundes oder eines Landes gerichtet sind oder eine ungesetzliche Beeinträchtigung der Amtsführung der Verfassungsorgane des Bundes oder eines Landes oder ihrer Mitglieder zum Ziele haben. Kennzeichnend für die freiheitliche demokratische Grundordnung sind folgende acht Prinzipien:
1. Menschenrechte ,
2. Volkssouveränität,
3. Gewaltenteilung,
4. Verantwortlichkeit der Regierung ,
5. Gesetzmäßigkeit der Verwaltung,
6. Unabhängigkeit der Gerichte,
7. Mehrparteienprinzip,
8. Chancengleichheit der Parteien einschließlich Oppositionsfreiheit.
Diese extremismuszentrierte Definition eignet sich wohl zur Markierung des Grenzbereichs zwischen den Grundprinzipien der Demokratie und demokratiefeindlichen Bestrebungen, nicht jedoch für eine wissenschaftliche Analyse des Phänomens. Sozialwissenschaftliche Analysen über Verbreitung und Ursachen des Rechtsextremismus müssen sich auch auf rechtsextreme Einstellungen beziehen und danach fragen, wie sie entstehen und unter welchen Bedingungen sie in konkrete Praxis münden. Rechtsextremismus folgt keiner einheitlichen Ideologie. Wir haben es vielmehr mit einem heterogenen Gemisch unterschiedlichster Begründungszusammenhänge und Sichtweisen zu tun, was seinen Niederschlag in der Bundesrepublik auch in organisatorischer Zersplitterung der extremistischen Rechten findet. Sie ist Ausdruck der Vielfalt miteinander konkurrierender
Konzeptionen und Ziele, die sich zum einen auf die Wiederherstellung der nationalen Einheit (des Deutschen Reiches) und zum anderen auf dessen innere Ordnung beziehen. Die Komplexität des Rechtsextremismus besteht aber nicht nur in der Vielfalt seiner weltanschaulichen Versatzstücke und politischen Zielsetzungen, sondern auch darin, dass er uns im politischen Alltag in verschiedenartigen Erscheinungsformen begegnet.
Zunächst ist zwischen rechtsextremistischen Einstellungen und rechtsextremistischem Verhalten zu unterscheiden. Dies ist notwendig, weil Einstellungen in der Regel dem Verhalten vorgelagert sind. Sie schlagen sich aber nicht zwangsläufig in konkreter Praxis nieder. Das gilt nicht nur für den Rechtsextremismus, sondern generell: Nur ein kleiner Teil der Bevölkerung ist politisch aktiv, und daher ist das rechtsextremistische Einstellungspotenzial wesentlich größer als das Verhaltenspotenzial.
Beim Rechtsextremismus handelt es sich um ein komplexes Einstellungsmuster. Für Rechtsextremisten ist vor allem die Einteilung der Menschen in verschiedene hierarchisch gegliederte Gruppen typisch. Diese Idee der Einteilung ist das Grundmuster und die Basis rechtsextremer Weltanschauung. Menschliche Gruppen werden demnach nicht nur unterschieden, sondern bekommen eine Wertigkeit, die an ihrer "rassischen", kulturellen oder nationalen Zugehörigkeit festgemacht wird. Grundsetzlich werden außerdem zumeist folgende Bestandteile rechtsextremer Einstellung zugerechnet:
1. Nationalismus in aggressiver Form, Feindschaft gegen Ausländer, Minderheiten
2. Antisemitismus und Rassismus, biologistische und sozialdarwinistische Theorien
3. Intoleranz, Glaube an Recht durch Stärke, elitär-unduldsames Sendungsbewusstsein und Diffamierung Andersdenkendender
4. Militarismus, "Führertum", Unterordnung
5. Verherrlichung des NS-Staats als Vorbild - Negierung/Verharmlosung der NS-Verbrechen
6. Neigung zu Verschwörungstheorien
7. Latente Bereitschaft zur gewaltsamen Propagierung und Durchsetzung der erstrebten Ziele
Rechtsextremismus ist nicht mit den Prinzipien der Menschen- und Grundrechte, mit Demokratie und Rechtsstaat vereinbar. Rechtsextremismus ist zusammenfassend die Gesamtheit derjenigen Einstellungen, Verhaltensweisen und Aktionen, organisiert oder nicht, die die Fundamentalgleichheit aller Menschen kategorisch verneinen, den Wertepluralismus einer liberalen Demokratie ablehnen und gezielt unter der Akzeptanz von Gewalt auf die Abschaffung des demokratisch-pluralistischen Gesellschaftssystems hinarbeiten.


2b) Rechtsradikalismus
Die Grenzlinie zwischen Demokratie und Extremismus nicht immer leicht zu bestimmen. Der Übergang ist nämlich zumeist fließend. Zu diesem Zweck kennt das Amtsdeutsch den Begriff Radikalismus. Er markiert die Grenzzonen zwischen den Extremismen und dem demokratischen, durch die freiheitliche demokratische Grundordnung geschützten Bereich, wobei der Rechts- bzw. Linksradikalismus noch dem verfassungskonformen Spektrum zuzurechnen ist. Rechts- und Linksextremismus werden hier die entgegengesetzten Endpunkte eines Kontinuums, dessen Zentrum der demokratische Sektor bildet. Zum einen werden auf diese Weise Links- und Rechtsextremismus undifferenziert gleichgestellt. Zum anderen wird Rechtsextremismus damit zu einem Randphänomen erklärt und mithin bagatellisiert. Tatsächlich handelt es sich dabei aber nicht um Außenseiterpositionen, sondern um ein Phänomen, das in der Mitte der Gesellschaft gedeiht. In der wissenschaftlichen Diskussion konnte sich der Begriff Rechtsradikalismus deshalb nicht durchsetzen. Es wird stattdessen hauptsächlich mit dem Begriff Rechtsextremismus operiert.


2c) Rassismus
Im Gegensatz zu den Begriffen Ausländerfeindlichkeit und Fremdenfeindlichkeit ist Rassismus ein Begriff, der gesellschaftliche Tatbestände treffend erklären kann. Dennoch wird Rassismus als öffentlich-politischer Begriff selten verwendet. Das Bestehen von Rassismus wird entweder geleugnet oder mit den beiden oben genannten unscharfen Begriffen umschrieben.
Wenn Menschen wegen körperlicher Merkmale beurteilt und diskriminiert werden, handelt es sich um Rassismus. Rassistisches Denken geht von der unabänderlichen Zugehörigkeit des einzelnen Menschen zu einer Volksgruppe aus. Diesen Volksgruppen werden allgemeingültige Charakterzüge unterstellt, die dann auf alle "Gruppenmitglieder" projeziert werden. Darüber hinaus wird im Rassismus die natürliche Überlegenheit der eigenen Gruppe behauptet und daraus das Recht zur Benachteiligung anderer Gruppen abgeleitet bis hin zur Rechtfertigung von Aggressionen und Gewalt gegen Angehörige einer als Minderwertig angesehenen Gruppe. Folgen sind die Ausgrenzung von Menschen, die auf vielfältige Art und Weise geschehen kann, z.B. durch die Verweigerung fundamentaler Rechte.
Rassismus ist keine Erscheinung, die sich nur auf das 20. Jahrhundert oder gar auf die Zeit des Nationalsozialismus begrenzt. Bereits die kolonialen Eroberungen durch westeuropäische Staaten geschah mit rassistischen Rechtfertigungen. Die weißen, christlichen Eroberer präsentierten sich in den Kolonien und in ihren eigenen Ländern als Krönung der menschlichen Zivilisation, betrachteten die unterworfenen Völker als minderwertig und leiteten daraus das Recht ab, sie mit Zwangsarbeit auszubeuten. Die rassistische Rechtfertigung der europäischen Kolonialpolitik etablierte Rassismus spätestens im 19. Jahrhundert als Massenphänomen westlicher Gesellschaften.
In Deutschland entwickelte sich Rassismus – der ein weltweites Phänomen ist - im 20. Jahrhundert in besonders verheerender Weise. Die Rassenpolitik des Nationalsozialismus, der rassistische Eroberungskrieg und die systematische Vernichtung von Menschen nach rassistischen Kriterien stellen einen schrecklichen Höhepunkt in der Geschichte rassistischen Denkens und Handelns dar.
Aber auch nach dem Jahr 1945 ist Rassismus in Deutschland keineswegs verschwunden. Nach wie vor wird der Versuch unternommen, Menschen in Rassen einzuteilen. Diese Einteilung geschieht anhand äußerer Merkmale, die verknüpft mit zugeschriebenen Verhaltensweisen, angeblich schon die Existent von Rassen beweisen soll. Wenn es auch in der Öffentlichkeit kaum jemanden geben mag, der noch von Menschenrassen spricht, so geschieht Ungleichbehandlung häufig doch nach rassistischen Kriterien. Sehr oft müssen Einwanderer als auch ihre in Deutschland geborenen Nachkommen gegen vielfältige Vorurteile im Alltag ankämpfen, die sich fast immer gegen die ihnen zugeschriebene Gruppe richtet und nicht gegen sie als Individuum (nach dem Muster: "Die [Türken/Schwarzen/Russen, etc.] sind doch alle [...]"). Die Zuschreibungen sind hierbei beliebig.
Die neueste Form der Zuordnung einzelner Menschen zu unveränderlichen Volksgruppen beschreibt allerdings nicht mehr Rasse als zentrales Merkmal, sondern Kultur. Hier gilt es nun eine angeblich unveränderbare kulturelle Identität zu bewahren. Dieser "Kulturalismus" ist zwar nicht dasselbe wie Rassismus, führt jedoch im Kern zu sehr ähnlichen Ergebnissen. Die Vorurteile, die sich vorher gegen die in Rassen eingeteilte Menschen gerichtet haben, richten sich nun gegen Kulturen, denen einheitliche Charakterzüge und Wertigkeiten zugeschrieben werden. Die Folge ist auch hier Ungleichbehandlung und Ausgrenzung. Die Erkenntnis, dass Kulturen nicht starr festgelegt sind und sich stattdessen im Zusammenleben von Menschen wachsen, wird nicht zugelassen.
Rassismus in allen seinen Formen ist kein Phänomen, das sich lediglich auf Rechtsextremisten beschränkt. Rassismus ist vielmehr in der Mitte der Gesellschaft angelegt. Die Frage, wieviel Einfluß und Raum ihm zugestanden wird, ist gleichzeitig eine Frage der Demokratie selbst, die in ihrem Kern mit Rassismus unvereinbar ist. Wo im Sinne von Demokratie Gleichbehandlung der Menschen durchgesetzt wird, verliert Rassismus an Boden.


2d) Antisemitismus
Eine besondere Form des Rassismus ist der Antisemitismus. Antisemitismus stellt Juden als fremde und befremdende Wesen dar, denen kollektiv negative Eigenschaften wie z.B. Verschlagenheit, Habgier und Geiz zugeschrieben werden. Wie im Rassismus sollen so Ungleichbehandlung und Aggressionen gerechtfertigt werden.
Der Begriff "Antisemitismus" wurde 1879 von Wilhelm Marr geprägt. Wörtlich übersetzt bedeutet er "Semitenfeindschaft", diese Feindschaft richtet sich aber ausschließlich gegen Juden. Das Phänomen des Antisemitismus reicht Jahrtausende zurück: Seit ihrer Zerstreuung in alle Welt nach der Zerstörung Jerusalems im Jahre 70 n.Chr. durch römische Truppen und der arabischen Eroberung im 7. Jahrhundert bildeten die Juden allerorts Minderheiten, die dennoch ihren kulturellen und religiösen Traditionen treu blieben. Sie bildeten oftmals homogene Gemeinschaften in der Diaspora und wurden so leicht zu Opfern von Angriffen ("Sündenbockfunktion"). Daneben gab es im Christentum einen ausgeprägten Antijudaismus, da sich die Juden nicht bekehren lassen wollten. Diese Judenfeindschaft schlägt sich auch im christlichen Schrifttum nieder und findet so ihre Tradierung über die Jahrhunderte hinweg. Besonders im fanatisierten Klima der Kreuzzüge (11.-13. Jahrhundert) kommt es zu schweren Ausschreitungen gegen die "Christusmörder". So sind viele Fälle überliefert, wo es unmittelbar vor Beginn eines Kreuzzuges zu Massenmorden an den Juden kam und ganze Gemeinden ausgelöscht wurden (z.B. Rouen, Troyes, Metz, Speyer, Mainz).
Mit der Französischen Revolution kommt es erneut zu antijüdischen Ressentiments, werden sie doch in Personalunion mit dem Freimaurerbund der Illuminaten als Befürworter der Aufklärung für den Ausbruch der Revolution verantwortlich gemacht. Die Revolution brachte nicht vorhergesehene hohe Steuerbelastungen und eine Geldentwertung mit sich und die Folgen wurden nunmehr den jüdischen "Wucherern" angelastet. In der Zeit tauchen dann auch vermehrt antijüdische Schriften und Flugblätter in Frankreich auf.
Dass die Juden dann auch für den Ausbruch der Russischen Revolution verantwortlich gemacht wurden, lag an der Propaganda der Russisch-Orthodoxen Kirche, die in den Juden einen Feind des Christentums und des Zaren zu erkennen glaubten. Als Folge dieser Kampagne kommt es in den Jahren 1881-82 sowie 1905 zu schrecklichen Pogromen an Juden. Dabei wurde die Stimmung gegen Juden vor allem mittels der sog. "Ritualmordlegende" angeheizt. Die Juden, so wird behauptet, würden unschuldige Christenkinder ermorden, um an das Blut zu kommen, welches sie angeblich für ihre geheimen Riten bräuchten.
Der zaristische Geheimdienst, die "Ochrana", ist auch für die Herstellung eines der zählebigsten und infamsten antisemitischen Pamphlete verantwortlich, die "Protokolle der Weisen von Zion".
Die antisemitischen Hetzschriften und Übergriffe im 19. Jahrhundert und zu Beginn des 20. Jahrhunderts lässt viele Juden einen Ausweg in der Assimilation suchen, welche in den meisten Fällen mit der Abkehr vom religiösen Judentum und der Taufe einhergeht. Bezeichnend für die Zeit ist das Bemühen von wissenschaftlichen Kreisen, die dem Umfeld der "Völkischen Bewegung" angehören, dem antisemitischen Ressentiment und Hass ein quasi wissenschaftliches Gewand zu verpassen. Ausgehend von Arthur Gobineau werden Juden nunmehr als eigene "Rasse" betrachtet. Diese Denkweise wird später von den Nationalsozialisten übernommen und führen über die Diffamierung, Entrechtung und Enteignung geradewegs zur industriell organisierten Massenvernichtung der Juden in den Vernichtungslagern. Um in der Bevölkerung eine Zustimmung zu den antijüdischen Maßnahmen zu erlangen, wird in Publikationen, durch das Radio, vor allem aber durch das Medium Film das Bild des "häßlichen Juden" gezeichnet. Hier sei vor allem der Film "Jud Süß" von Veit Harlan erwähnt.
Der aktuelle Antisemitismus beruft sich in weiten Teilen auf das Schriftgut der "Völkischen Bewegung" und des Nationalsozialismus. Neben ultrarechten christlich-religiösen Kreisen in den Vereinigten Staaten pflegen in den vergangenen Jahren vor allem Anhänger der "Esoterik" einen Antisemitismus, der den Juden vorwirft, mittels einer "Weltverschwörung" eine "Ein-Welt-Regierung" errichten zu wollen. Der Antisemitismus äußert sich meist in aggressiver verbaler Form, durch Schändungen jüdischer Grabstätten aber verschiedentlich auch durch Brandanschläge (z.B. der zweimalige Anschlag auf die Synagoge in Lübeck) und Gewalt gegen Personen. Ebenso wie der Rassismus ist auch der Antisemitismus in keiner Weise mit der Demokratie und ihren Grundwerten vereinbar.


2e) Ausländerfeindlichkeit
Als in der Bundesrepublik der 60er Jahren die kurz zuvor angeworbenen "Gastarbeiter" auf die ersten Ressentiments der deutschen Bevölkerung stießen, wurde hierfür das in anderen Sprachen unbekannte Wort Ausländerfeindlichkeit erfunden. Der Begriff Ausländerfeindlichkeit umschreibt die allgemeine politische Ungleichbehandlung von Ausländern. Dem zugrunde liegt eine Vorstellung, in der sich Einheimische als höherwertig betrachten und daraus die Berechtigung zur Diskriminierung eingewanderter Menschen ableiten.
In der deutschen Öffentlichkeit wird der Begriff Ausländerfeindlichkeit jedoch häufig verallgemeinernd und falsch verwendet. Denn was häufig als Feindlichkeit gegen Ausländer beschrieben wird, ist in Wirklichkeit eine Feindlichkeit gegen das vermeintliche "Wesen des Andersartigen". Beispielsweise muss ein Südafrikaner oder Schweizer mit heller Hautfarbe nirgends in Deutschland mit Benachteiligungen rechnen, während ein Deutscher mit dunkler Hautfarbe, ja sogar mit "deutscher Identität", tagtäglich mit Diskriminierung leben. Die hier gemeinte Feindlichkeit richtet sich also nicht gegen Menschen, nur weil sie "aus dem Ausland" kommen, sondern sie richtet sich gegen bestimmte Menschen mit bestimmten erfundenen oder tatsächlichen Merkmalen: gegen Menschen, die lediglich dem Augenschein nach nicht westeuropäischer Herkunft sind.
Allgemein verwirrt der Begriff als mehr als er erklärt. "Ausländer" sind eine willkürliche Konstruktion, die nicht selten dazu gebraucht wird, um eigentlich rassistische Beweggründe zu verschleiern.


2f) Fremdenfeindlichkeit
Fremdenfeindlichkeit ist ähnlich wie Ausländerfeindlichkeit ein Begriff, der verwendet wird, wenn Einwanderer abgelehnt, diskriminiert und mißhandelt werden. Es handelt sich dabei um eine gezielte Ausgrenzung von Gruppen, die als ethnisch anders, also als "fremd" dargestellt werden. Fremdenfeindlichkeit wird häufig mit unbestimmten Ängsten begründet. Eine Konkurrenzangst wird entwickelt, die sich zur Feindlichkeit steigert.
Ähnlich wie Ausländerfeindlichkeit ist Fremdenfeindlichkeit eine Konstruktion und die Bestimmung von "Fremdheit" und "Fremdsein" ist beliebig. Die Entstehung von Fremdheit ist also eine komplizierte und sehr willkürliche Angelegenheit. Daher ist eine oberflächliche Verwendung des Begriffs Fremdenfeindlichkeit häufig unpräzise. Noch schlimmer: Durch seine ständige Verwendung wird die Distanz zu den Opfern der "Feindlichkeit" aufrecht erhalten. Das Opfer bleibt fremd, es war ja "keiner von uns".


2g) Nationalsozialismus
Der Nationalsozialismus ist eine völkisch-antisemitisch-nationalrevolutionäre Bewegung in Deutschland (1919 bis 1945), die als Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) organisiert war. Nationalsozialismus ist die – etwas irreführende – Selbstbezeichnung der politisch-weltanschaulichen Bewegung, die 1933 in ein Terrorregime mündete. Das nationalsozialistische Herrschaftssystem war zwar nationalistisch, wies jedoch kaum sozialistische Elemente auf. Durch das Parteiprogramm der NSDAP ist die Weltanschauung nur unzureichend beschrieben, aufschlussreicher sind die Bekenntnisse Adolf Hitlers in "Mein Kampf", sowie weitere programmatische (meist mündliche) Äußerungen. Die wichtigsten Wesensmerkmale des Nationalsozialismus sind:
1. Antiliberalismus und Antiparlamentarismus ("Führerprinzip" und "Volksgemeinschaft")
2. Antikommunismus (verklärt als "jüdischer Bolschewismus") und Nationalismus ("Du bist nichts, dein Volk ist alles!")
3. Rassismus ("Ariertum")
4. Eliminatorischer Antisemitismus ("Endlösung der Judenfrage")
5. Militarismus und Imperialismus ("Lebensraum im Osten")
6. Systematischer Terror nach innen und außen
Das nationalsozialistische Regime führte einen Rassenkrieg an dessen Ende der systematische Massenmord an den europäischen Juden (Holocaust) stand.


2h) Nationalismus
Der Begriff Nationalismus wird im politischen und wissenschaftlichen Gebrauch so vielfältig gedeutet, wie kaum ein anderer. So kann Nationalismus gemeinsam mit rechten und linken Ideologien auftreten, als Begründung expansiver Politik von Staaten oder als Programm von Befreiungsbewegungen.
Blättert man in einschlägigen Lexika, wird Nationalismus einmal neutral, als Forderung und Streben nach Schaffung und Sicherung eines Nationalstaates dargestellt. Andererseits ist er auch als aggressive Äußerung eines übersteigerten Nationalgefühls auf Kosten anderer Nationen und Nationalitäten verstehbar.
Es gibt ebenfalls keine einheitliche Meinung, was unter dem Begriff Nation zu verstehen ist. Üblicherweise wird hier zwischen Kulturnation und Staatsnation unterschieden. Unter Staatsnation wird allgemein eine Gemeinschaft gleicher Bürger verstanden, die durch ihren eigenen Willen eine Nation von Staatsbürgern bilden. Der bereits vorhandene Staat schafft sich hier eine Nation. Klassisches Beispiel ist Frankreich.
Eine Kulturnation ist demgegenüber eine Gemeinschaft, die sich durch ein "natürlich" und geschichtlich vorbestimmtes Schicksal definiert. Demzufolge bilden vorgegebene Kriterien wie etwas Abstammung, Sprache und Geschichte eine Nation. Innerhalb dieser Konzeption hat das Individuum keine Möglichkeit, über seine Nationszugehörigkeit selbst zu entscheiden. Anders als bei der Staatsnation schafft sich hier eine bereits vorhandene, nach den vorgegebenen Kriterien definierte Nation einen Staat, in dem sie den Zusammenschluß aller Staaten oder Gebiete anstrebt, in denen Angehörige der Kulturnation leben. Als Beispiele hierfür gilt insbesondere Deutschland.
Im Rechtsextremismus wird Nationalismus in einen Ultra-Nationalismus überhöht und mit ethnischen, kulturellen und politischen Kriterien der Exklusion angereichert, um die Idee der Nation zu einer Idee kollektiver Homogenität zu kondensieren. Die Nation stellt so den höchsten Wert dar und wird der Maßstab allen politischen Denkens und Handelns.
Nationalismus eignet sich als Instrument zur Herstellung kollektiver Identität, abseits von den Kategorien Klasse oder Konfession und vermag starke Verantwortungsgefühle gegenüber dem Kollektiv zu wecken. Letztendlich ist die Nation aber eine mehr oder weniger willkürliche Konstruktion. Benedikt Anderson definiert Nation folgerichtig als eine "vorgestellte politische Gemeinschaft" (imagined community), denn obwohl sich die Mitglieder einer Nation niemals alle kennen werden, existiert eine imaginäre Vorstellung von Gemeinschaft. Nichtsdestotrotz ist Nation-Sein und Nationalismus ein weltweit bestehendes Phänomen und Ultra-Nationalismus ist nach wie vor ein zentrales Element des Rechtsextremismus.

3. ORGANISATIONSFORMEN DES RECHTSEXTREMISMUS

Dieser Beitrag behandelt Rechtsextremismus als politischen Akteur. In der Politik geht es - folgt man dem Klassiker der Soziologie, Max Weber - um Machterwerb, Machtbehauptung und Gefolgschaftswerbung. Dies gilt auch für den Rechtsextremismus: die wichtigsten Ressourcen sind hierbei Organisation und Kooperation. Die Machtinteressen und die damit verbundenen Ziele werden ideologisch begründet.
Deshalb soll hier nicht näher auf die einzelnen Parteien und Gruppen eingegangen werden, die zumeist auch hinlänglich bekannt und gut dokumentiert sind (vgl. www.idgr.de oder www.dir-info.de), sondern es wird der Versuch unternommen, auf die strukturelle und auf die strategische Ebene vorzudringen.
Nach einem kurzen Überblick über rechtsextreme Strukturen, die parteilich und nicht-parteilich sein können, folgt ein Abriss der Strategien, die ihrerseits systemwidrig oder systemkonform sein können.

Parteiliche Strukturen
Die Entwicklung des organisierten Rechtsextremismus in Deutschland unterliegt wie alle anderen Strömungen politischen Konjunkturen. Hinsichtlich der Erfolgsbedingungen ist zwischen externen und internen Faktoren zu unterscheiden. Mit externen Faktoren sind die gesellschaftlich-politischen Rahmenbedingungen gemeint, so z.B. Auswirkungen sozialen Wandels, Modernisierungsprozesse sowie auch Arbeitslosigkeit, Wohn- und Lebensbedingungen als auch geringe Akzeptanz politischer Institutionen etc.
Um externe Chancen zu nutzen, müssen zudem interne Faktoren gegeben sein. Dauerhafte Erfolge, wie hohe Nachfragen nach Publikationen, gut besuchte Versammlungen, wachsende Mitgliederzahlen oder hohe Wahlergebnisse, können von rechtsextremen Organisationen dauerhaft nur verbucht werden, wenn diese ebenfalls
• Politische Kompetenz und Glaubwürdigkeit ausstrahlen
• Innere Geschlossenheit zeigen
• Populäre und respektable Personen in die Führungsgremien entsenden, und
• Hinreichende Publizität in den Medien erlangen.
Die organisatorische Zersplitterung des deutschen Rechtsextremismus ist zweifellos eine, mit Sicherheit aber nicht die alleinige Ursache dafür, dass er nicht die Verbreitung hat wie in Frankreich, Italien oder Österreich. Es lassen sich drei Erfolgswellen der Entwicklung des organisierten Rechtsextremismus in Westdeutschland bis 1990 anhand der Mitgliederentwicklung erkennen.

Phase 1: Gründungszeit der Bundesrepublik
Dominiert von den Nachwirkungen des 3. Reiches, aber dann geprägt von der überraschend schnell wachsenden Integrationskraft des demokratischen politischen Systems und von ökonomischer Prosperität.

Phase 2: 1966-69
Geprägt von ökonomischem Abschwung, Mangel an parlamentarischer Opposition während der großen Koalition. Entstehen eines politischen Vakuums auf der extremen Rechten, vor allem ausgefüllt durch die NPD.

Phase 3: seit Mitte der 80er Jahre
Geprägt vom Einklagen der von Helmut Kohl angekündigten "geistig-moralischen Wende", Rechtsextremismus wird mehr und mehr zum europäischen Phänomen mit gemeinsamen Themen wie Nation, Migration, Asyl, Wertewandel, etc.
Mit der deutschen Einheit erhielt die Erfolgswelle der dritten Entwicklungsstufe des westdeutschen Rechtsextremismus zusätzlichen Schub. Der gesamtdeutsche Rechtsextremismus begann auf einem sehr hohen Niveau. Die Zahl der organisierten Personen wuchs bis 1993 weiter auf fast 65000 an, war dann bis 1996 rückläufig auf ca. 45300 und stieg bis 1998 wieder auf knapp 54000 an. Die Zahl hat sich für die Jahre 1999 und 2000 zwischen ca. 51000 und 52000 eingependelt.
Der Anteil der neuen Bundesländer sank hierbei von ca. 10000 im Jahre 1992 auf rund 6500 im Jahre 1996. Bis zum Jahre 1999 wuchs der organisierte Rechtsextremismus in den fünf neuen Ländern wieder auf 9500 Personen an. Der prozentuale Anteil der in den fünf neuen Ländern organisierten Personen an den Rechtsextremisten in der Bundesrepublik insgesamt schwankte zwischen 1992 und 1998 zwischen 12,9% und 17, 4%, erreichte aber nicht die 18%-Marke (also den Anteil der Einwohner der neuen Länder an der gesamtdeutschen Bevölkerung). Erst im Jahre 1999 zogen die fünf neuen Länder gleich mit 18, 6%! Wichtig ist, dass das Gewaltpotential der ostdeutschen Szene zu allen Zeiten überdurchschnittlich war und ist.
Wer die Situation des Rechtsextremismus in Ost- und Westdeutschland vergleicht, gelangt zu dem Befund, dass der Rechtsextremismus im Westen überwiegend durch Organisationen wie Parteien, Verbänden geprägt und auch sonst stark institutionalisiert ist (Verlage, etc.), während im Osten der eher spontane, dafür aber besonders aggressive Protest vorherrscht. Der Rechtsextremismus ist in den neuen Ländern offenbar in erster Linie subkultureller Natur und stark bewegungsorientiert (Skinheads, Kameradschaften, etc.). Daher wird zu Recht immer wieder davor gewarnt, den Rechtsextremismus in Ostdeutschland nur aus der institutionellen Perspektive zu sehen. Diese ignoriert die mentale Verwurzelung der Subkulturen und Szenen vor Ort, deren Bedeutung sich nicht durch Mitglieder- und Wählerzahlen erschließen lässt.

Die Entwicklung des Rechtsextremismus seit der Bundestagswahl 1998, wo keine nennenswerten Erfolge erzielt werden konnten, lässt sich wie folgt charakterisieren: Es hat eine Stagnation im Organisationswesen stattgefunden parallel zu einer wachsenden Gewaltbereitschaft und einem Bedeutungsgewinn der Subkulturen.

Nicht-Parteiliche Strukturen
Vor allem nach den Verboten von acht rechtsextremistischen Organisationen zwischen 1992 und 1994, der die Szene stark unter Druck setze, kam es zu einer Strategiedebatte. Die Frage, wie man sich am besten gegen die wehrhafte Demokratie verteidigen könne, wurde mit der Parole "Organisation durch Desorganisation" beantwortet. Aus den alten verkrusteten Strukturen sollte eine Art Volksfront, ähnlich der APO (also: alle machen mit, keiner ist verantwortlich), gebildet werden, denn wo keine erkennbare Organisation vorhanden ist, kann man diese auch nicht zerschlagen! Das Gegenkonzept lässt sich wie folgt beschreiben:
• Aufbau bzw. Weiterführung unabhängiger Gruppen ohne formale Mitgliedschaft,
• Bundesweite Koordinierung unter Leitung anerkannter lokaler Führer,
• Schaffung einer technischen Infrastruktur für einen effektiven Informationsaustausch (Fax-Anschlüsse, Handys, Mailboxen, Info-Telefone, E-mails).
Die Anti-Antifa-Kampagne verlief bereits nach diesem Muster und nun setzte auch im Organisationswesen Schritt für Schritt eine Dezentralisierung in autonome und unabhängige Kameradschaften ohne Vereinsstruktur ein. Da die meisten Organisationen inzwischen verboten waren, lief diese Strategie nicht auf die Entmachtung der einflußreichen Führer hinaus. Vielmehr fanden sich deren Anhänger nun in schwach organisierten Kleingruppen zusammen, die örtlich konspirativ agierten und nur durch informelle Kontakte ihrer lokalen Anführer miteinander vernetzt waren.
Dieses Prinzip versprach besseren Schutz gegen staatliche Repression, weil infolge der hohen Mobilität und Fluktuation schwer eine Beobachtung durchzuführen ist und wegen der fehlenden Vereinsstrukturen kaum juristisch sanktioniert werden kann. Auch verknüpfte sich mit der neuen Organisationsform die Hoffnung, dass damit die lähmenden Rivalitäten zwischen den einzelnen Organisationen und ihren Führern beendet und die Zeit umfassender Kooperationen angebrochen sei. Schließlich wurde erwartet, mit diesen eher bewegungsförmigen Strukturen auf mehr Resonanz bei den rechtsextremistischen Subkulturen (wie vor allem Skinheads) zu stossen, die für zentralistische und verbindliche Organisationen kaum zu begeistern sind.
Aber das Prinzip der "Organisation durch Desorganisation" hat auch seine Schwächen. Organisation ist schließlich kein Selbstzweck, sondern eine Ressource, die Effizienz und Kontinuität gewährleistet. Zudem widerspricht dieses Prinzip genuin rechtsextremem Denken und entspricht eher linken Traditionen.
Eine lebendige Strategiedebatte zwischen Anhängern des Bewegungs- und des Parteiprinzips ist weiterhin in vollem Gange. Insbesondere Funktionäre der NPD kritisieren die Spontanität vieler "national-autonomer" Kameraden als unprofessionell und ineffizient. Favorisiert wird hier im Grunde genommen das Parteikonzept Lenins: die straff organisierte Partei als Avantgarde der revolutionären Massen!

Strategien
Überschaut man seine Strategiedebatten, so erweist sich der deutsche Rechtsextremismus als fragmentiert. Rechtsextremismus steht zwar prinzipiell in Fundamentalopposition zum bestehenden System. Da er aber zur Erreichung seiner Ziele einer Massenbasis bedarf, muss er zunächst auch die Möglichkeiten des bestehenden Systems ausnutzen, um Menschen an sich zu binden. Strategie und konkrete Praxis des RE sind folglich durch einen Doppelcharakter geprägt: Er agiert zugleich systemkonform und systemwidrig! Allgemein können drei strategische Varianten unterschieden werden:

• Der Kulturkampf bzw. die Kulturrevolution von rechts:
Vordenker wollen geistige Grundlagen für Sieg schaffen, Ideologie formulieren und an Zeit anpassen. Es wird versucht, sich in gesellschaftliche Diskurse einzuschalten

• Die Politische Opposition innerhalb des Systems:
die Machtstellung soll mit hauptsächlich legalen Mitteln ausgebaut werden. Der Organisationsgrad soll gestärkt, Mitglieder geworben, Demonstrationen durchgeführt werden. Die Beteiligung an Wahlen wird bejaht.

• Politische Opposition gegen das System:
illegale Praktiken wie Gewalt oder Terror zur Einschüchterung usw. werden als opportunes Mittel der politischen Auseinandersetzung angesehen.

Systemkonforme und systemwidrige Aktivitäten lassen sich oft nicht exakt von einander abgrenzen und laufen wie z.B. bei der Dreifach-Strategie der NPD: "Kampf um die Straße, Kampf um die Köpfe, Kampf um die Parlamente" parallel.
In jedem Fall zielen die Operationsplanungen des Rechtsextremismus weniger auf Lösungen konkreter Sachfragen, sondern vor allem auf die Mobilisieung der Gefolgschaft. Dabei ergeben sich verschiedene Probleme, die "quer" zu den genannten Optionen liegen und deshalb gesondert betrachtet werden sollen:

Die Organisationsfrage:
Es stellt sich die Frage, ist es effektiver sich in bürgerlichen Parteien zu engagieren bzw. diese zu unterwandern oder in eigenen rechtsextremen Organisationen? Sollen Subkulturen eingebunden werden? (dies beantwortet z.B. die NPD mit ja, die Republikaner mit nein). Soll sogar eine eigene Nationale Außerparlamentarische Opposition (NAPO) ins Leben gerufen werden?
Die Bündnisfrage:
Es stellt sich die Frage ob Bündnisse eingegangen werden sollen und wenn ja, mit wem und zu welchem Preis? Hier besteht ein Dauerkonflikt zwischen Vertretern der "reinen Lehre" und den Pragmatikern. Die NPD bezeichnet sich beispielsweise als einzige authentische nationale Opposition und wirft u.a. der DVU und den Republikanern Opportunismus und Anbiederei vor. Umgekehrt wird die NPD verschiedentlich als Gruppe isolierte Fanatiker tituliert.

Sammlungspolitik
Hier soll die Fragmentierung der extremen Rechten durch eine Bündelung aller "nationalen Kräfte" überwinden werden, u.a. auch durch die Fusion von Organisationen. Dieser Ansatz ist in Deutschland bislang weitgehend gescheitert.
Auffällig ist, dass in den letzten Jahren die sog. national-revolutionären Gruppen und Parteien trotz gravierender Meinungsunterschiede mehr Nähe suchen. Die Formel dafür lautet "Nationaler Widerstand".
In vielen Städten bestehen sog. Freie Kameradschaften. Hierbei handelt es sich in der Regel um national-sozialistische Gruppierungen, die nur selten personell offen bzw. direkt politisch in Erscheinung treten. Sie existieren in einer Art Zwielicht, das sie für die Ausbreitung ihres Einflusses nutzen. Sie demonstrieren im Vorpolitischen ihre Macht, die in mancher Kommune im demokratischen Raum lähmend wirkt, zumal immer Gewalt oder zumindest ihre Androhung im Spiel ist.
Ziel ist es, sog. "befreite Zonen" zu schaffen. Es sollen Räume erobert werden wie Jugendclubs oder Wohnbezirke, um dort die alleinige Macht auszuüben, Gegner zu bestrafen und Freunde zu unterstützen. Mehr noch: man strebt eine ideologisch-kulturelle Vorherrschaft, eine kulturelle Hegemonie an.
In einer befreiten Zone kann nicht nur ungestört demonstriert und Propaganda betrieben werden, sondern es wird auch verhindert, dass der politische Gegner dies ebenfalls tut. Hier droht eine eigenständige rechtsextremistische Subkultur zu einer dominanten Alltagskultur zu werden. Zusammenfassend ist die gegenwärtige Situation des RE durch drei Merkmale geprägt: Bei unverändert hohem Einstellungspotential stagniert die institutionelle Seite des Rechtsextremismus, während seine subkulturelle Seite quicklebendig ist.

Schluß
Das Endziel des Rechtsextremismus besteht darin, die staatliche Ordnung in einen völkischen Nationalismus zu transformieren. Die Legitimation des bestehenden Systems wird bestritten. Um einen Systemwechsel herbeizuführen, bedarf es einer hinreichenden Massenbasis. Nach allen vorliegenden Erkenntnissen mangelt es dem parteilich organisierten Lager sowohl an der notwendigen Einheit als auch an politisch erfahrenen und vorzeigbaren Führungsfiguren, um massenhaft Menschen an sich zu binden, obwohl durchaus ein entsprechendes Einstellungs- und Wählerpotential vorhanden ist.
Ein besonderes Gefahrenpotential im nicht-parteilichen Lager besteht vor allem hinsichtlich der möglichen Gewaltorientierung und Militanz. Besonders durch das Zusammenwirken parteilicher und nicht-parteilicher Kräfte droht gerade in den neuen Bundesländern die Entstehung einer Art sozialen Bewegung des Rechtsextremismus, die in der Alltagskultur verwurzelt ist und diese dominiert.
Insofern kann sich die Bekämpfung des Rechtsextremismus nicht auf die Bekämpfung seiner Organisationen reduzieren, sondern muss vor allem auf die Stärkung einer demokratischen Kultur auf allen Ebenen konzentriert sein.

Quellen:
Schubarth, Winfried/Stöss, Richard (Hg.): Rechtsextremismus in der Bundesrepublik Deutschland. Eine Bilanz, Opladen (Leske&Budrich), 2001.
Stöss, Richard: Rechtsextremismus im vereinten Deutschland, 3. überarbeitete Auflage, Bonn (Friedrich-Ebert-Stiftung), 2000.
Wagner, Bernd: Rechtsextremismus und kulturelle Subversion in den neuen Ländern, Sonderausgabe Bulletin, Berlin (Zentrum Demokratische Kultur), 1998.


3b) Skinheads
Die Subkultur der Skinheads entwickelte sich Ende der 60er Jahre in Großbritannien. Die Skinheads, die insbesondere dem Arbeitermilieu entstammten, verstanden sich als apolitische Gegenbewegung zu den Hippies und Mods der etablierten Mittelschicht. Die äußere Erscheinung sollte provozieren und vor allen Dingen der Abgrenzung dienen: Man trug extrem kurzes Haar bis Glatze, robuste Arbeiterkleidung und die Doc Martens-Stiefel der britischen Werftarbeiter, oftmals mit eingearbeiteten Stahlkappen, dazu Fliegerjacken, karierte Hemden und Hosenträger. Die zweite Welle der Skinhead-Bewegung kam Ende 1977. Diesmal aber wurden Teile der Bewegung politisch aktiv. Rechtsextremistischen britischen Gruppen gelang es, die Skinheads für ihre Ziele zu gewinnen.
Die Skinhead-Bewegung begann dann auch Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre in Deutschland Fuß zu fassen. Als wesentlicher Bestandteil der Subkultur wurde das rassistische Gedankengut übernommen. Das Zentrum der deutschen Skinhead-Bewegung war Berlin. Es kam bald zu Übergriffen von Skinheads gegen "Linke" und Ausländer, vor allem gegen türkische Staatsangehörige. Die Bereitschaft, Gewalt anzuwenden, ist in der Skinhead-Szene stark ausgeprägt. Seit der Wiedervereinigung haben Skinhead-Gruppen in den neuen Ländern erheblichen Zulauf. Inzwischen liegen die Schwerpunkte der Skinhead-Szene in Ost- und Südthüringen, in Südbrandenburg, in Westsachsen sowie in Ballungsräumen und Großstädten wie Frankfurt/Oder. Durch den Verfassungsschutz wird auch eine Zunahme des Personenpotentials in Sachsen-Anhalt festgestellt. In den alten Bundesländern richtet sich das Augenmerk der Behörden auf die Skinhead-Szene im Allgäu (Bayern), die auch überregionale Bedeutung hat. Größere Skinhead-Szenen gibt es in Baden-Württemberg, Hamburg und Niedersachsen. So stellen Skinheads inzwischen auch die weitaus größte Gruppe innerhalb der gewaltbereiten Rechtsextremisten. Exakte Zahlen fehlen allerdings.
Innerhalb der Skinheads gibt es verschiedene Gruppierungen: "Nazi-Skins", "Oi-Skins, "Fascho-Skins", "White Power-Skins", "Hammerskins", "Blood & Honour". "Hammerskins" zählen zu der härteren Fraktion. Bei der "Blood and Honor"-Bewegung handelt es sich um eine Gründung des 1993 verstorbenen Neonazi Ian Stuart Donaldson, ehemaliger Leadsänger der legendären Skinhead-Kultband "Skrewdriver". Ziel der "B+H-Bewegung" ist die ideologische Beeinflussung der Skinhead-Szene über die Musik. Hierin wird ein ideales Mittel gesehen, die jugendlichen Skinheads an den Nationalsozialismus heranzuführen. Hinzu kommen aber auch die sog. "Sharpskins" und "Redskins", die nicht rechts sind, sondern vielmehr aktiv gegen rechte Skinheads auftreten.
Die Skinhead-Musik ist von dumpfen, schlichten Melodien und harten, schnellen und stakkatoartigen Rhythmen geprägt. Sie ist extrem laut und aggressiv, die Texte der einheimischen Bands sind Deutsch. In ihrer Gesamtheit wirkt Skinhead-Musik vor allem als Integrations- und Aggressionsfaktor. Die mögliche Wirkung der "Musik als Mittel der Indoktrination" darf nicht verkannt werden. Die CD´s werden bei manchen Konzertauftritten zum Teil durch eine besondere Art der Darstellung (wie z.B. durch Ausführen des Hitlergrußes, Schwenken der Reichskriegsflagge) zur ideologisch-propagandistischen Interaktion mit der Zuhörerschaft dargeboten. Inhaltlich rüde und in brutaler Weise gewaltdarstellende Liedtexte sowie die von hartem Rhythmus gepeitschte primitive Musik ("drei Harmonien für einen Song reichen") vermögen beim unkritischen und prädisponierten Hörer eine aggressive Stimmung hervorzurufen, welche möglicherweise dazu animiert, die durch die Texte transportierte Brutalität auch in die Tat umzusetzen. Skinhead-Konzerte sind jedenfalls immer auch eine wesentliche Möglichkeit der Rekrutierung für Rechtsextremisten. Die Konzerte rechtsextremer Skinhead-Bands haben sich in der Zeit von 1995 bis Anfang des Jahres 2000 verdreifacht. Allein 1999 registrierte das Bundesinnenministerium 105 Konzerte dieser Art. 1998 zählte die überraschte Polizei in Garitz in Sachsen-Anhalt bei einem Skinhead-Konzert etwa 2000 Glatzköpfe.
Rechtsextremistische Bands bekennen sich in ihren Liedtexten zu einer diffusen "arisch-nordischen" Rassenideologie, die alles Fremde ablehnt. Regelmäßig enthalten die Texte widerwärtige Verunglimpfungen bestimmter Volksgruppen, Religionsgemeinschaften oder Minderheiten. Unverhohlen wird auch die Terrorherrschaft der Nationalsozialisten verherrlicht. Im Mai 1997 wurde die CD einer bis dahin unbekannten Skinhead-Band "Die Zillertaler Türkenjäger" bekannt. Die Band verbindet unter dem Titel "12 Doitsche Stimmungshits" bekannte Schlagermelodien mit rechtsextremistischen, volksverhetzenden Texten, wie in dem antisemitischen Lied "So ist er, der Jud, Jud". Fast alle Skinhead-Bands sind organisatorisch in die Skinhead-Netzwerke "Blood and Honour" und in die Hammerskin-Bewegung eingebunden. Neben den traditionellen Kontakten nach Großbritannien wurden auch die Verbindungen zur rechtsterroristischen Gruppen in Schweden intensiviert.
Der Vertrieb solcher Musik erfolgt inzwischen auch über das Internet in MP3-Format. Jedoch werden bei Razzien immer wieder auch große Bestände volksverhetzender CD´s sichergestellt.
Das Internet wird von Skinhead-Gruppen inzwischen recht intensiv genutzt, über deren Webseiten gelangt der Besucher in Webforen und Chatrooms, angeboten werden Fanzines wie "RockNord" aus dem Hause Lemmer, aber auch T-Shirts, Buttons und andere Skin-Artikel. Weibliche Skinheads, die sogenannten "Renees", haben ebenfalls eigene Webseiten gestaltet.

4. SYMBOLIK UND MUSIK

4a. Kurzeinführung in die Skinheadmusik

Die Entstehungsphase
Erstmals traten Skinheads in den späten 60er Jahren auf, vorwiegend im Londoner Eastend. Die Bekleidung der damaligen Skinheads unterschied sich, bis auf die Haarlänge, sehr stark von der heutigen Skinhead-Mode. Damals war man bestrebt, möglichst smart und elegant auszusehen, man trug Anzüge, Hüte, und die beliebte Sta-Prest-Hose (ein Stoffhose mit "eingebauter" Bügelfalte) von Levis. In Erinnerung an diese erste Hochzeit der Skinheadbewegung spricht man heute noch vom "Spirit of `69". Bereits in dieser Zeit fielen Skinheads besonders im Zusammenhang mit Fußballrandalen und dem sogenannten Paki-Bashing (systematisches Zusammenschlagen von pakistanischen Einwanderern) auf. Auch wenn dies heute gern als normale Bandenauseinandersetzungen dargestellt wird, so entspringt es doch auch einem in der englischen Arbeiterbewegung verwurzelten Fremdenhass. Diese erste "Skinhead-Welle" ebbte sehr schnell ab, war Mitte der 70er de facto nicht mehr existent. Anfang der 80er Jahre tauchte eine neue Abwandlung von Skinheads, wiederum erstmals im Londoner Eastend auf. Die Lebenseinstellung dieser neuen Bewegung unterschied sich nicht wesentlich von der der 69er Skins, aber Musik und Kleidung wichen erheblich von der Ur-Form ab. Da man sich nach wie vor als proletarische Bewegung empfand, wollte man seine Herkunft auch in der Freizeit öffentlich zur Schau stellen. Man trug also Arbeitsschuhe, (besonders die säure-resistenten Stahlkappenschuhe der Marke Doc Martens) Jeanshosen (Levis 501) und Polohemden. Dennoch legte man auch hier Wert auf gepflegte Erscheinung, Markensachen waren Pflicht, insbesondere die Nobel-Polohemden des ehemaligen Tennisspielers Fred Perry wurden zum Inbegriff der Verschmelzung zwischen praktischer und hochwertiger Bekleidung. Auch die Marke Lonsdale wurde bereits in den frühen 80ern in dieser Szene getragen, keineswegs, weil man bei halbgeöffneter Jacke die Buchstaben "NSDA" erkennen kann, sondern weil Skinheads damals in ihrer Freizeit zur körperlichen Ertüchtigung Boxstudios besuchten, und Lonsdale der Ausrüster der meisten dieser Boxstudios war. In Abgrenzung zu der ersten Skinheadwelle nannten sich diese Skinheads "OI!-Skin´s". (wobei die Herkunft des Wortes Oi bis heute ungeklärt ist und mittlerweile von fast allen Skinheadfacetten für sich in Anspruch genommen wird.)

Die Politisierungsphase
1981 erschien die erste reine Oi!-Skinhead-Platte, welche bezeichnender Weise den Titel "Strength trough joy" ("Kraft durch Freude") trug und auf dem Cover einen der bekanntesten englichen Neo-Nazis, den British Movement-Organisator von Kent, Nick Crane abbildete. Seine rechtsextremen Tätowierungen wurden jedoch wegretuschiert. Dieser Nick Crane gründete zusammen mit dem Sänger der 1975 als Schüler-Punk-Band gegründeten und im Laufe der 80er Jahre zur führenden Rechtsrock-Band aufgestiegenen Skinhead-Combo "Skrewdriver", Ian Stuart Donaldson das "Blood&Honour"-Netzwerk. Der Name lehnt sich ganz bewusst an den Leitspruch der Hitlerjugend, "Blut und Ehre", an. Diese als Unterstützungsnetzwerk von rechten Skinheadbands für rechte Skinheadbands gedachte Organisation ist heute zu einem weltweit tätigen, millionenschweren Musikunternehmen mutiert. B&H vergibt Lizenzen für die Nutzung des Namens, vermarktet die angeschlossenen Bands, vertreibt CD´s und Merchandising-Produkte und handelt für die Bands sogenannte "Pool-Verträge" aus, dass heißt, die bekannten Bands produzieren ihre CD`s nur für Labels, die auch mehrere kleinere Bands unter Vertrag nehmen. 1993 verstarb Ian Stuart Donaldson bei einem Autounfall, Nick Crane an der Immunschwächekrankheit Aids.

Die Kommerzialisierungsphase
Der erste B&H-Lizenznehmer war Herbert Egoldt und sein Plattenlabel "Rock-O-Rama" in Brühl bei Köln. Dieses Label war nicht auf Rechtsrock spezialisiert, sondern vertrieb nahezu das gesamte Spektrum von Musik. Ian Stuart erhielt einen "Berater-Vertrag" und sorgte dafür, dass alle namhaften B&H exklusiv bei ROR produziert und vertrieben wurden. Dadurch stieg Egoldt zum weltweiten Hauptproduzenten von Skinhead-Musik auf und verdient noch heute Millionen an diesen Produkten und der Rechteverwertung.
Heute gibt es in Deutschland etwa 100 rechte Musikgruppen, die in den 90er Jahren bei über 50 deutschen Plattenlabels insgesamt etwa 750 verschieden Cd´s eingespielt haben und damit zum Teil sechsstellige Verkaufszahlen erreichten. Hinzu kommt eine unüberschaubare Zahl von Bootlegs (nichtlizenzierte CD-Kopien)
Die ersten bekannten deutschen Skinheadbands waren die Böhsen Onkelz aus Frankfurt/M und die Band KdF (Kraft durch Froide) um den Berliner NF(Nationalistische Front)-Kader Andreas Pohl. Pohl initiierte auch den ersten reinen Rechtsrockvertrieb, den auf den Chef der NF, Meinholf Schönborn, angemeldeten "Klartext Verlag und Versand". Dieser Versand erzielte jedes Jahr etwa 120.000 DM Gewinn, welcher nahezu ausschließlich in die NF-Parteikasse floss und zum Aufbau eines NF-Schulungszentrums verwendet wurde.
Auch wenn rechte Parteien viel Geld mit der Vermarktung von Skinmusik verdienten, Skinheads gern zur Absicherung von Veranstaltungen und als "Fußvolk" auf Demonstrationen eingesetzt wurden, so spielten sie in der politischen Arbeit kaum eine Rolle. Diese Situation änderte sich erst nach der Verbotswelle rechtsextremer Parteien und Organisationen, der 1992-1995 immerhin 12 Gruppen zum Opfer fielen und eine komplette Neugestaltung der rechtsextremen Szene nötig machte. Die NPD, bzw. ihr Hochschulverband NHB, hatten das Potential bereits 1992 erkannt, als sie das Konzept-Papier "Schafft befreite Zonen" veröffentlichten in dem die Schaffung von rechter, kultureller Hegemonie gefordert wird. Dabei sollte der Skinheadkultur eine Schlüsselrolle zukommen. Zwei der wichtigsten Versandfirma der frühen 90er Jahre wurden betrieben von NPD-Kadern, Jens Pühse (heute Beisitzer im NPD-Vorstand") und von Dieter Koch (damals Bundesschatzmeister des NHB). Auch aus Gründen der Bündelung der Parteiaktivitäten wurde der Versand von Dieter Koch eingestellt und die Kundenkartei in den Versand von Jens Pühse eingebracht. Dieser Versand ist heute der offizielle Versand der NPD-Zeitung "Deutsche Stimme".
Im Gegensatz dazu sah das Konzept von Blood&Honour jedoch die politische Einflussnahme von Skinheads, unabhängig von ihren jeweiligen politischen Mitgliedschaften vor. Sehr frühzeitig agierte B&H als politische Kraft auf Demonstration und betrachtet Musik nur als einen Teil des politischen Kampfes an. Das von B&H herausgegeben Fanzine entwickelte sich immer mehr zu einem politischen Schulungsheft, welches mit Musik lediglich aufgelockert wurde.

Blood & Honour Deutschland
B&H Deutschland wurde offiziell von Stefan "Pinochio" Lange aus Berlin geleitet. In Berlin gab es auch ein offizielles Vereinshaus. Hinter den Kulissen zog jedoch der in Brandenburg geborenen dänische Staatsbürger Marcel Schilf, mit seinen Firmen "NS-Records" und "NS 88" die Fäden. Er organisierte die Einspielung der CD´s in Skandinavien oder den USA, die Herstellung der CD´s in Tschechien, den Transport über Polen nach Dänemark und von hier die Übergabe an B&H Deutschland, in Person von Torben Klebe aus Hamburg. Dieser wiederum organisierte die Verteilung der CD´s an regionale B&H-Stützpunkte, z.B. Torsten Heise aus Göttingen (ehemaliger FAP-Aktivist z.Zt. in Haft), Stefan Lange aus Berlin, und Christian Hehl (JN-Bundesvorstand, z-Zt. ebenfalls in Haft, Anführer der Waldhof Mannheim-Hooliganclique "The Firm", welche unter anderem auch einen großen Teil des Drogenhandels in der Region kontrolliert, was den Verdacht nahe legt, dass Drogen über die selben Wege aus dem Osteuropa nach Westeuropa gelangen wie die CD´s).
Um die Größenordnung des Handels mit CD´s zu verdeutlichen, sei hier von einer einzigen Beschlagnahmeaktion in einem B&H-Zwischenlager, bei "No Mercy-Records" berichtet: Sichergestellt wurden neben 31.000 Cd´s mit rechtsextremen Inhalten auch 200.000 Raubpressungen von normaler Diskomusik. Verkaufswert 7,5 Millionen Mark. Bei Herstellungskosten von unter 30Pf pro CD sind hier Gewinne möglich, die sonst nur mit Waffen-oder Drogenhandel erzielt werden können. Die Strafandrohnung liegt jedoch im Gegensatz dazu sehr viel niedriger.
Welch hochkriminelles Milieu dieses Geschäft betreibt musste der Neumünsteraner Sascha Meseberg feststellen, ein Skinheads aus dem Umfeld des "Club 88", welcher versuchte sich an diesem Geschäft ebenfalls zu beteiligen. 1999 wurde er auf offener Straße mit einer Pumpgun regelrecht hingerichtet.
Nachdem B&H verboten wurde und Marcel Schilf Anfang des Jahres an einer Hautkrankheit verstorben ist, liegt die Zukunft von Blood and Honour in den Sternen. Zwar wurde unmittelbar nach dem Verbot eine Verringerung der politischen Aktivitäten festgestellt und das Fanzine eingestellt, dennoch wird beispielsweise das Clubhaus weiterbetrieben (unter dem Namen "Holger&Bernd") Von einem Nachlassen der Aktivitäten im Musikbereich kann jedoch keine Rede sein, im Gegenteil: Mittlerweile wurde bereits die CD der Berliner Band "Landser" "Ran an den Feind" vieltausendfach vertreiben, sowie zwei Sampler produziert. Einer davon trägt den Titel "Blood and Honour Brandenburg" und ist offensichtlich als Solisampler zur Wiederherstellung des finanziellen Spielraums von B&H gedacht, sowie ein Solisampler zur Unterstützung des bereits angesprochenen Torsten Heise.


5. AKTUELLE ENTWICKLUNGEN

5a)NPD-Verbot
Am 28.November 1964 wurde die NPD offiziell in Hannover gegründet. Zwischen 1966 und 1969 zog sie mit Stimmenanteilen zwischen 5,8 und 9,8 Prozent in sieben Landesparlamente ein. Bei den Bundestagswahlen 1969 scheiterte sie knapp an der 5% Hürde. Danach begann ein stetiger Zerfallsprozeß. Unzählige Gruppen spalteten sich ab, oder entstanden in ihrem Umfeld.
1987 gab sich die Partei ein neues Programm um vom Image der „Partei der Ewiggestrigen“ wegzukommen. Der strikte Antikommunismus wich eher nationalbolschewistischen Vorstellungen. Gerade diese Ideen verschafften der NPD nach der Wiedervereinigung im Osten Deutschlands erheblichen Zulauf.
Trotz eines bundesweiten Stimmenanteils weit unterhalb der für die Wahlkampfkostenrückerstattung wichtigen 0,5 Prozent-Marke zog sie Ende der 80er Jahre wieder in diverse Kommunalparlamente ein.
Nach der Ablösung des langjährigen Parteivorsitzenden Günther Deckert durch den Diplom-Politologen Udo Voigt öffnete sich die Partei der durch die Parteiverbotswelle der 90er Jahre unstrukturierte NS und Skinheadszene. Langjährige Aktivisten der bundesdeutschen Rechtsextremisten-Szene wie Christian Hehl, Frank Schwerdt oder Steffen Hupka übernahmen Funktionen innerhalb der Partei und radikalisierten diese. Trotz der im Vergleich zu den „Republikanern“ und der DVU relativ geringen Mitgliedszahlen hat sich die Partei durch die Vernetzung mit den sogenannten „freien Kameradschaften“ und unzähligen Einzelaktivisten zur wichtigsten Kraft im rechten Lager entwickelt.
Zur Durchsetzung ihrer verfassungsfeindlichen Ziele hat sie das „3-Säulen-Konzept“ entworfen. Die Idee dieses Konzeptes ist, daß der Kampf um drei Ebenen geführt wird, um die Strasse, um die Parlamente und um die Köpfe.
Im Zuge dieses Konzeptes verstärkte die NPD ihre Aktivitäten erheblich. Zeitweise verging nicht ein Wochenende, ohne das die NPD irgendwo eine Demonstration organisierte, von den unzähligen Verteilaktionen und Infoständen ganz zu schweigen.
Im Zuge der im Sommer 2000 verstärkt in die Öffentlichkeit getragenen Diskussionen über den Rechtsextremismus und seine Bekämpfung forderte der bayrische Innenminister Beckstein für ein Verbot der NPD. Dieser Forderung schlossen sich die drei bundesdeutschen Verfassungsorgane Bundestag, Bundesrat und Bundesregierung an. Es wurde eine Bund-Länder-Kommission gebildet, welche die rechtlichen und inhaltlichen Aspekte eines solchen Verbotes untersuchte und im Ergebnispapier ebenfalls ein Verbot ebenfalls befürwortete. Als erste Institution stellte die Bundesregierung einen Verbotsantrag beim Verfassungsgericht in Karlsruhe, gefolgt vom Bundestag. Der Antrag des Bundesrates liegt noch nicht vor.
Die NPD stellte den Antrag die Rechtmäßigkeit eines Verbotes zuerst vom Europäischen Gerichtshof (EuGH) in Den Haag prüfen zu lassen und nahm in einem weiteren Dokument inhaltlich zur Argumentation der Bundesregierung Stellung. Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe hat nun als erstes zu prüfen, ob der Antrag der Bundesregierung und der anderen beiden Verfassungsorgane „Substanz“ haben und die Anträge zur Verhandlung zugelassen werden. Dies wird für alle drei Anträge einzeln geprüft. Bei einer positiven Entscheidung können die drei Verfahren zusammengefasst werden. In einer mündlichen Verhandlung wird dann den Antragsstellern und der Antragsgegnerin (NPD) die Möglichkeit gegeben ihre Argumentation dem Gericht darzulegen. Parallel dazu entscheidet der EuGH ob durch das Verbot der NPD nur „Landesrecht“ oder „europäisches Recht“ gesprochen werden würde. Im letzteren Falle wäre nicht das Bundesverfassungsgericht (BVG), sondern der EuGH zuständig ist. Käme das BVG zu dem Ergebnis, dass die NPD nicht nur verfassungsfeindlich ist, sondern diese verfassungsfeindliche Ideologie auch „aggressiv-kämpferisch“ versucht durchzusetzen und der die Zuständigkeit des BVG bestätigt träte ein Verbot der NPD in Kraft. Die NPD hätte jedoch die Möglichkeit diese Entscheidung erneut dem EuGH vorzulegen der sich dann nicht mit der Zuständigkeit des Verfahrens, sondern mit dem Inhalt des Verbotsurteiles auseinandersetzen müsste. Diese erneute Anrufung des EuGH hatte aufschiebende Wirkung, d.h. die NPD könnte bis zur Entscheidung des EuGH weiterhin aktiv bleiben. Erst die Entscheidung des EuGH würde das Urteil vollstreckbar machen. Erst dann könnte das Vermögen der Partei eingezogen werden, erst dann würden die NPD-Mandatsträger ihre Sitze in den Kommunalparlamenten verlieren, könnte die NPD nicht mehr als Rechtsperson auftreten, um z.B. Demonstrationen anzumelden, könnte sie sich nicht mehr an Wahlen beteiligen.

5b) Thomas Grumke:

"Arische Revolution" - Rechtsextreme in Deutschland und den USA rechtfertigen die Terror-Anschläge
aus "blick nach rechts", Nr. 19/2001
"Die Friedensmission der Arabischen Union wurde am 11.09.2001 erfolgreich zu Ende geführt" hieß es am 12. September in einem Eintrag von "Radio Neues Germanien" im Onlineforum des Nationalen Info-Telefons (NIT) in Reaktion auf die verheerende Terrorwelle, die tags zuvor New York und Washington heimgesucht hatte. Während alle Hinweise auf eine Täterschaft islamistischer Fundamentalisten hindeuten, solidarisieren sich Rechtsextremisten in den USA als auch in Deutschland mit den Attentätern beziehungsweise rechtfertigen deren mutmaßlichen Motive. So ließen es sich die Jungen Nationaldemokraten "Nordost" und die "Kameradschaft Tor" nicht nehmen, noch am Tag des Attentats in der Nähe der amerikanischen Botschaft in Berlin mit einem Transparent "Für die Freiheit aller Völker" zu agitieren. In einer offiziellen Stellungnahme der NPD vom 13. September heißt es: "Mit der Aktion sollte gleichsam gegen Staatsterrorismus und Imperialismus protestiert sowie an die Verletzung zahlreicher UNO-Resolutionen durch die USA erinnert werden. Zwei Tage später wird betont: "Im Gegensatz zum Betroffenheitskult der Medien stellen nationalistische Gruppen und Parteien die jüngste Eskalation der Gewalt in den Kontext einer durch die USA betriebenen verbrecherischen Außenpolitik".
Noch tiefer in die Abgründe antijüdischer Verschwörungstheorien führen Auslassungen auf den Webseiten des "Deutschen Kollegs", für die Horst Mahler verantwortlich zeichnet. Hier markieren die Anschläge "das Ende des Amerikanischen Jahrhunderts, das Ende des globalen Kapitalismus und damit das Ende des weltlichen Jahwe-Kultes, des Mammonismus". Weiter argumentiert der Text, der mittlerweile vom Netz genommen wurde, dass die Terrorakte nichts anderes als Akte der Selbstverteidigung von den Vereinigten Staaten unterdrückter Völker seien: "Dieser Kleinkrieg ist ein Befreiungskrieg und als solcher ein Weltkrieg, weil der Feind der Völker die Welt beherrscht".
Ähnlich äußern sich amerikanische Rechtsextremisten, die den Grund für die Anschläge in einer einseitigen pro-israelischen Außenpolitik der USA sehen. Matt Hale, Pontifex Maximus der World Church of the Creator (WCOTC) ließ in einer Presseerklärung verlauten: "Wir rufen alle Weißen auf, gegen die Außenpolitik dieser Regierung zu protestieren. Wir rufen alle Weißen auf, das Ende aller Hilfeleistungen für Israel zu fordern. Wir verlangen die Befreiung dieses Landes von der Manipulation der Juden, die solche schrecklichen Konsequenzen hatte". (Übersetzung aus dem Original.)

Die Ideologie der Delegitimation
Im Lichte dieser Äußerungen drängt sich die Frage auf, ob auch Rechtsextremisten in der Lage gewesen wären beziehungsweise sind, eine solche Terrorwelle zu entfachen. Wie der Bombenanschlag von Oklahoma City im April 1995 gezeigt hat, verfügen Rechtsextremisten in den USA sowohl über die Ideologie als auch über den Fanatismus, eine große Anzahl "ziviler" Opfer in Kauf zu nehmen. Hierzu ist es allerdings unerlässlich, einen Prozess der Delegitimation zu durchlaufen, an deren Ende eine totale Ideologisierung des Konfliktes mit der als tyrannisch empfundenen "Zionistisch Okkupierten Regierung" (Zionist Occupied Government; kurz: ZOG) stattfindet und diese absolute Gegnerschaft auf jedes dem "System" zugerechnete Individuum ausgeweitet wird. Dieser Prozess der Depersonalisierung und Dehumanisierung macht es möglich, sich an Gewalttaten gegen Individuen zu beteiligen, dies aber als notwendigen Schlag gegen ZOG vor sich selbst und vor anderen rechtfertigen zu können. Schlussendlich manifestiert sich diese Legitimitätskrise in systematischer Gewalt beziehungsweise Terrorismus. Es entwickelt sich mehr und mehr eine durch die rechtsextreme Ideologie forcierte und mit ihr verwobene Eigenlogik, in der Gewalt als das einzige Mittel des Widerstandes und zur Erreichung der eigenen Ziele angesehen wird. Hierbei "füttert" die Ideologie sozusagen die auf den Stufen der Radikalisierung aufsteigenden Personen ständig. In diesem Sinne ist es dann nicht mehr entscheidend, ob die USA als "zionistisch okkupiert" oder als "großer Satan" angesehen werden, das World Trade Center gilt in beiden Fällen als überragendes Symbol der "mammonistischen Weltherrschaft", wie es im Text des Deutschen Kollegs heißt: "Die militärischen Angriffe" auf diese Symbole sind, "weil sie vermittelt durch die Medien den Widerstandsgeist der Völker beleben und auf den Hauptfeind ausrichten – eminent wirksam und deshalb rechtens". Deutlicher kann die Ideologie der Delegitimation nicht ausgedrückt werden.
Aktionen, wie die von WCOTC-Mitglied Benjamin Smith, bei dessen Amoklauf im Juli 1999 zwei Menschen umkamen, oder die von Aryan Nations-Sicherheitschef Buford Furrow im August 1999, der einen jüdischen Kindergarten in Los Angeles stürmte und eine Person erschoss, setzen sich gerade wegen des mangelnden Erfolges organisierter rechtsterroristischer Gruppen innerhalb der amerikanischen extremen Rechten durch.
Welches Gewaltpotenzial dem amerikanischen Rechtsextremismus innewohnt, zeigen auch fehlgeschlagene Pläne zu Gewalttaten und Anschlägen. Im Jahre 1988 wurde ein Plan von dem Christian Identity-Umfeld zuzurechnenden Rechtsextremisten zur Vergiftung des Trinkwassers von New York und Washington, DC mit schon bereitstehenden 30 Gallonen Cyanid aufgedeckt. 1995 wurde die – in den USA völlig legale – Lieferung von Pest-Erregern (Yersinia pestis) an den Mikrobiologen Larry Wayne Harris, Ex-Mitglied der Aryan Nations, im letzten Moment gestoppt. Im Jahre 1996 erhielten als Militia-Mitglieder auftretende FBI-Agenten von zwei Litauern Flugabwehrraketen und taktische Nuklearwaffen aus dem Bestand der ehemaligen Sovietarmee zum Kauf angeboten.

Alle Mittel im Kampf erlaubt
In einschlägigen Publikationen wie dem Roman "The Turner Diaries" des National Alliance-Führers William Pierce wird die Sakralisierung der Gewalt besonders deutlich. In diesem zu Recht als "rechtsextreme Bibel" bezeichneten Roman nimmt die "arische Revolution" ihren Anfang in einem Bombenattentat auf das Hauptquartier des FBI und erlebt ihren Höhepunkt im so genannten "Day of the Rope", an dem zehntausende Menschen mit Schildern wie "Ich habe meine Rasse verraten" an Straßenrändern aufgehängt werden. Nach einem nuklearen Bürgerkrieg und einer "mopping-up period" (Tötung aller "nicht-Weißen"), ist die gesamte Welt am Ende des Romans "arisch", das Blutvergießen "hat sich gelohnt". Die kompromisslose Stellung zu Gewalt – als einzige Lösung des Problems der empfundenen fundamentalen Unterdrückung der "arischen Rasse" durch ZOG – ist der extremen amerikanischen Rechten inhärent. Gewalt wird als von außen aufoktroyierte letzte Ressource im Kampf ums Überleben gesehen.
Der inzwischen in Haft sitzende Herausgeber des "Nationalist Observers" Alex Curtis hat die Vision einer zweistufigen revolutionären Bewegung: Stufe eins ist legalistisch und damit betraut, "diversive und subversive" Propaganda zu verbreiten, die die Stufe zwei, den Untergrund, lenken soll. Diese Stufe zwei besteht aus so genannten "einsamen Wölfen" ("lone wolfs", vgl. BNR 21/00), rassistischen Kämpfern, die allein oder in Kleingruppen mit täglichen anonymen Gewalttaten langsam Infrastruktur und Autorität der verhassten Regierung untergraben. Curtis ist sich sicher, dass es zu Gewalt kommen wird, da "die Regierung, die uns und unsere Nation okkupiert, skrupellos und blutig unsere Rasse ermordet".