Was motiviert uns und viele andere Menschen und Gruppen in Deutschland oder anderswo sich in antifaschistischen Aktionen und Projekten zu engagieren? Auf diese Frage gibt es sicherlich eine Menge Antworten. Viele Menschen haben vielleicht von faschistischem Gedankengut Betroffene in ihrem Bekannten- oder Freundeskreis, einige sehen die Weltanschauung und Propaganda der Rechtsextremen als grundsätzlich falsch an. Wieder andere engagieren sich vielleicht aus der Überzeugung heraus, dass „die Würde des Menschen unantastbar“ (GG, Artikel 1) ist und dass sich das deutsche Volk in seinem eigenen Grundgesetz zu „unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft[...]“ (GG, Artikel 2) bekennt. Diese Rechte gelten natürlich auch für „Neger“, Juden, Obdachlose usw. Eine weitere Art der Motivation liegt in der deutschen Geschichte und kann anhand des folgenden Zitats verdeutlicht werden:


Aus einem Bericht über eines der ersten Konzentrationslager im Frühjahr 1933: „[...] Ich konnte nun mit den Polizeimannschaften die Marterhöhle betreten. Dort waren die Fußböden einiger leerer Zimmer, in denen sich die Folterknechte betätigten, mit einer Strohschütte bedeckt worden. Die Opfer, die wir vorfanden, waren dem Hungertod nahe. Sie waren tagelang in enge Schränke gesperrt worden, um von ihnen „Geständnisse“ zu erpressen. Die „Vernehmungen“ hatten mit Prügel begonnen und geendet; dabei hatte ein Dutzend Kerle in Abständen von Stunden mit Eisenstäben, Gummiknüppeln und Peitschen auf die Opfer eingedroschen. Eingeschlagene Zähne und gebrochene Knochen legten von den Torturen Zeugnis ab. Als wir eintraten, lagen diese lebenden Skelette reihenweise mit eiternden Wunden auf dem faulenden Stroh. Es gab keinen, dessen Körper nicht vom Kopf bis zu den Füßen die blauen, gelben und grünen Male der unmenschlichen Prügel an sich trug. Bei vielen waren die Augen zugeschwollen, und unter den Nasenlöchern klebten Krusten geronnen Blutes. Es gab kein Stöhnen und Klagen mehr: nur starres Warten auf das Ende oder neue Prügel.“ Bericht des ersten Gestapo- Chefs Rudolf Diel, in: Informationen zur Politischen Bildung Nr. 251

Dieses Zitat soll hier nur beispielhaft für die vielen unmenschlichen Verbrechen des Naziregimes und dessen willigen Helfern stehen, es könnte noch durch viele andere Berichte ergänzt werden. Deutlich werden soll nur, dass es an diesem Kapitel der deutschen Geschichte nicht viel Ehrenhaftes gibt, und dass die Leugnung dieser Verbrechen eine Straftat darstellt, die die Leiden der Opfer verhöhnt. Hier noch ein weiteres Zitat:

Aus dem Augenzeugenbericht eines Holocaustüberlebenden: [...] Inzwischen war der Ambulanzwaagen um die Ecke des Krematoriums gefahren. Ein SS- Mann - ausgerüstet mit Gasmaske - stieg aus, trat zur Öffnung eines Kanals, öffnete eine Büchse mit der Vignette „Zyklon B“ und schüttete den körnigen Inhalt in den Kanal. Durch diesen Kanal strömte dann das tödlich Gas in den Raum, wo Hunderte von Menschen auf das Wasser warteten. [...] Dieses tödliche Gas – „Zyklon B“ – wirkte unendlich lange, fünf bis zehn Minuten dann waren die Opfer tot. [...] Den Toten schnitt man die Haare ab, diese wurden der Industrie zur Verfügung gestellt; unter anderem zum Abdichten der Sprengköpfe von Torpedos benutzt. In das „Sonderkommando Krematorium“ wurden auch Zahnärzte und Zahntechniker eingereiht, deren Aufgabe es war, den Toten die Goldzähne herauszubrechen. Diese wurden dann zu Goldbarren verschmolzen. Innerhalb von drei Jahren wurden vom KZ Auschwitz an die Reichbank in Berlin sechs Tonnen Zahngold geliefert. [...] Ein Dokument der Vernichtungsstrategie, in: Adolf Burger.
Des Teufels Werkstatt, Berlin 1997

Wenn vor diesem Hintergrund dann von Revisionisten, Neofaschisten, Neonazibands und vielen anderen behauptet wird, dass der Holocaust nie stattgefunden habe, Deutschland als Opfer dargestellt wird, ein viertes Deutsches Reich gefordert wird oder andere absurde Behauptungen und Forderungen aufgestellt werden („Mich stört nicht, dass so viele Juden unter Hitler das Leben verloren haben. Mich stört, dass so viele Übriggeblieben sind.") , wenn Menschen auf Grund ihrer Meinung, ihres Aussehens, ihrer Hautfarbe oder ihres Glaubens in Deutschland wieder diskriminiert und verfolgt werden, wird wahrscheinlich klar, warum es sich lohnt sich gegen Neonazismus zu engagieren.

Das Problem des Rechtsextremismus geht jeden an. Letztlich richtet ich die Ideologie der Faschisten nicht „nur“ gegen Ausländer, Juden, Behinderte, Obdachlose, Linke usw., sie richtet sich vielmehr gegen die freiheitlichen, demokratischen, pluralistischen Grundwerte unserer Gesellschaft. Eine Gesellschaft in der Obdachlose zu Tode gequält, ausländische Mitbürger gehetzt und zu Tode geprügelt werden , in der Parteinen mit menschenverachtenden Parolen auf Stimmenfang gehen und versuchen diffuse Ängste in Wählerstimmen umzumünzen darf es nicht geben! Jedes Mitglied der Gesellschaft ist aufgefordert seine Augen nicht vor Fremdenhass, Intoleranz, Rassismus und ganz offener Gewalt zu verschließen!


Diese Ausführung erfasst sicherlich nur einen kleinen Teil der Gründe sich gegen Rassismus, Faschismus, Militarismus etc. zu engagieren, trotzdem hat sie hoffentlich einige Einblicke gewährt!